Während des Spiels verstand ich Taktik und Stellungsspiel kaum, sodass ich mir auch das Relive und abschnittsweise mehrfach angesehen habe. Beide spielen überwiegend defensiv, Spanien hat mehr Torchancen und dementsprechend ist der Sieg erwartbar, aber beide vertun viele Chancen oder Toranläufe. Spanien wird gutes Stellungsspiel mit und ohne Ball zugesprochen, aber für sich erklärt das den Sieg auch in der Reliveschau nicht. Beide Torwarte haben defensiv finalwürdig gespielt, darunter der spanische zweimal weit draußen als Libero, davon einmal einen Schritt schneller als Messi.
Die erste Halbzeit war ein Abtasten, in der Argentiniens übertriebene Defensive nur bei genauem Betrachten auffällt und man ansonsten ein noch ausgeglichenes Spiel vermuten konnte. Ein argentinischer Spieler erhielt Gelb und musste rechtzeitig wegen Verletzung ausgewechselt werden.
Als argentinischer Trainer hätte ich durch Auswechslung die gelbrote Karte in der zweiten Halbzeit vermieden, aber er brachte u.A. diesen Spieler genau zum Zweck der Härte. Der Trainer nahm das Risiko also bewusst inkauf. Ob Elfmeterschießen die Strategie war muss offen bleiben. Durch fehlenden Mann entstand zwar eine Lücke, die in der 106. Minute zum Tor führte, aber das war nicht zwingend. Vielmehr wurde der Torschütze schon in der Torentwicklung nicht gedeckt. Der nächste Spieler war hinterm baldigen Torschützen, hätte sich vor der Flanke zu ihm vor ihn stellen können, war aber in diesen Sekunden lustlos. Offenbar brauchte er eine mentale Ruhepause. Erst bei der Ballannahme durch den Torschützen begann er eine Bewegung von hinten zu ihm, als er seinen Fehler erkannte, dass v.A. er zuständig gewesen wäre. Die meisten Fehler bei Torchancen waren Stürmerunfähigkeiten, aber beim Tor gab es diesen eklatanten Verteidigerfehler.
Verloren aber hat Argentinien, weil alle seine Spieler weniger gut als in den vorherigen Spielen waren. Zuvor ließ Messi auch mal maradonnaisches Dribbling aufblitzen, konnte es aber sich festlaufend diesmal nicht, der argentinische Torwart und Feldspieler bei Einwürfen brachten den Ball zu oft zum Gegner, es gab Richtung gegnerisches Tor zu viele argentinische Fehlpässe, selbst in der Nähe des gegnerischem Torraums wurde meist der sichere Weg zurück zum eigenen Torwart oder letzten Mann gesucht, ein fehlgeschlagener Dribbelversuch bestätigte das Wissen um die Unmöglichkeit und deswegen das Unterlassen des Dribbelgewinnens gegen Spanien und Flanken wurden fast gar nicht versucht. Es war, als hätten die vorherige WM und die vorangegangenen Spiele bei den Argentiniern zu viel Kraft und Mentalität verbraucht ähnlich wie England im Halbfinale.
Spanien hat den Ball auch früh beim Gegner aktiv erobert und verdient gewonnen, aber auch, weil Argentinien nicht genug Gewinnwillen hatte. Ab Minute 118 ernsthaft zu spielen war zu spät.
Als Messifan war das Live-Angucken des Finals ernüchternd und desillusionierend. Die Halbfinals hingegen waren vergleichbar dem Hand-Gottes-Viertelfinalspiel die jemals interessantesten. Platz 3 ohne Magenta TV ist mir bis auf Zusammenfassungen leider entgangen.
Die für mich bisher beste Erklärung des spanischen Spiels:
https://m.youtube.com/watch?v=5CX_iWtpULI&ra=m
Immer an die Worte des Kaisers von 1990 denken: sinngemäß: >Wir sind auf Jahre hinaus unschlagbar... 😛
Willst du damit andeuten, man könnte das nun über die Spanier denken, sollte es aber besser nicht, weil andere Länder dazulernen dürften?
Ich möchte damit sagen, dass Fussball bisher immer Lösungen geboten hat, um auch solche Mannschaften aus dem Sattel zu heben. Ist aber sehr beeindruckend, was die Spanier da gezeigt haben, speziell im Halbfinale mit der Reduktion der französischen Angriffsmaschine auf nahezu Null!