Es gibt ja hier ein paar Fußballfans. Deutschland ist (erneut!) verdient ausgeschieden. Es gab zwar Parallelen zum Spiel Brasilien - Japan mit dem Taktieren, durch ein knappes Ergebnis zu gewinnen, indem man das Konterrisiko klein hielt, aber Deutschland hat in der regulären Spielzeit Angst vor dem Gegner gehabt, Gewinnwillen vermissen lassen und zu wenig flexibel angegriffen, Neuer fehlte die Zugriffsgeschwindigkeit und Deutschland hat (wie auch andere Nationen) im Elfmeterschießen versagt. Soweit so weitgehend klar.
Die Schiedsentscheidung im Spiel Deutschland - Paraguay zum aberkannten 2:1 verstehe ich allerdings nicht und wüsste gerne eure Meinungen. Bei dieser WM ist das Niveau der Schiedsrichter deutlich unter dem Niveau der Spieler, der Videoschiedsrichter aus Nicaragua und der Hauptschiedsrichter aus Marokko haben bei dem Vorfall Entscheidungen getroffen, bei denen es mutmaßlich einen Ermessensspielraum gibt, aber eine klare Linie in der Partie oder der WM fehlt. Im Netz finden sich prominente Meinungen, die Spielerberührung des Torwarts sei sehr schwach ausgeprägt und daher weit von Ahndungswürdigem gewesen versus der betreffende Spieler habe sich nicht zum Ball, sondern zum Torwart orientiert mit unterstellter Foulabsicht.
Ich kenne weder die genauen Regularien, noch die internationale Schiedspraxis in vergleichbaren Situationen, abgesehen von ein paar aktuellen prominenten Meinungen wie etwa, in England sei so eine Berührung gar nichts. Ich kann daher nicht sicher einschätzen, ob die Schiedsentscheidung richtig oder falsch war, möchte es aber näher verstehen.
Im Torraum ist der Torwart besonders geschützt - welche Rolle spielt dies hier? Der Torraum war gut besetzt, sodass Berührungen erwartbar waren - müssen die Gegner trotzdem dem Torwart weichen, um ihm vorsorglich Freiraum zu geben? Der Torwart ist beim Streben zum Ball in den Spieler gerammt - das ist bei solchen Aktionen typisch und Recht des Torwarts, aber warum sollte es ein Foul des Spielers sein - weil er den Towart vielleicht mutwillig geblockt hätte? Es ging alles recht schnell vonstatten, sodass der Spieler kaum Reaktionszeit haben konnte, den Torwart nicht zu blocken oder sich selbst Richtung Ball zu drehen / bewegen oder ein anderes lokales Stellungsmanöver zu starten - konnten die Schiedsrichter trotzdem vom Spieler erwarten, dem Torwart rechtzeitig mehr Freiraum zu geben? Ist der Torwart absichtlich zu Boden gegangen? Wie ist Schiedsentscheidung im Kontext dieser WM oder im internationalen Kontext des mutmaßlich Üblichen zu werten?
Fragen über Fragen, deretwegen mir eine Wertung des Vorfalls schwerfällt. Am Rande bemerkt hat es in dem Zusammenhang auf den Bänken auch gelbe Karten gegeben (u.A. Nagelsmann, aber auch jemand der paraguayischen Verantwortlichen) - sind dazu Begündungen bekannt?
Vorsicht, sonst wandelt dein Geist wie Sai bei Hikaru no Go, als Untoter in irgend einem Ball oder jemandes Fußballschuhen ruhelos umher. 😉
In der "regelbasierten Ordnung" des Fußballs gibt es halt "fifty shapes of play", muss man auch als Regelnerd aushalten können.
stoned on stones
Im Sechzehntelfinale Spanien - Österreich hat ein vom Livekommentator live befragter Regelexperte zu einem Spanien aberkannten Tor mit ähnlich leichtem etwaigem Behinderungsfoul im Torraum gesagt, es gebe dazu keine Regel, aber er vermute, dass für diese WM die Schiedsrichter für solche Fälle offenbar eingewiesen worden seien. Zumindest gibt es in den beiden Spielen von Deutschland und Spanien nun eine kohärente Linie. Meinetwegen, aber das hätte die FIFA ja mal der Welt vor Turnierbeginn klar kommunizieren können, damit es nicht nach Willkür aussieht.
Das ist jetzt alles eh obsolet, die neue Regel ist: Ein Spielergebnis hat erst dann Bestand, wenn Häuptling Blonde Locke sein placet gegeben hat. Das allerdings muss man nicht nur als Regelnerd nicht aushalten können.
stoned on stones